Nachruf
Prof. Dr. Wilma Iggers, geb. Abeles
geb. 23.03.1921 Mirschikau/Mirkov - Tschecheslowakei
gest. 24.02.2025 Amherst, N.Y. - USA
In tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Wilma Iggers, geb. Abeles, die in ihrem 104. Lebensjahr von uns gegangen ist.
Wilma Iggers war eine weit über die USA, Tschechien und Deutschland hinaus bekannte Germanistin und Kulturhistorikerin, die 1938 mit ihrer jüdischen Familie vor dem Nazi-Terror nach Kanada geflüchtet war und sich zeitlebens für eine Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Weltanschauungen einsetzte. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Historiker Georg Iggers, war sie in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts in den USA aktiv in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung (Little Rock Nine) sowie später in der Friedensbewegung.
Seit Mitte der Sechzigerjahre lehrten Wilma und Georg Iggers in Buffalo, N.Y., verbrachten zunehmend aber auch Forschungszeit in Göttingen. Sie unterhielten dort später einen festen Wohnsitz und erwarben Freunde in- und außerhalb der Universität.
Wilma Iggers war eine anerkannte Kennerin des böhmischen Judentums. 2004 erhielt sie für ihre zahlreichen Veröffentlichungen den Masaryk-Preis in Prag. Wilma wird uns nicht nur als Brückenbauerin zwischen Ost und West sowie zwischen Christen und Juden in sehr guter Erinnerung bleiben, sondern auch als Mutter dreier Kinder, die sich Zeit ihres Lebens immer für andere Menschen eingesetzt hat.
Wir sind sehr dankbar, Wilma Iggers kennengelernt zu haben und werden ihr als Ehrenmitglied unseres Vereins „Brücken Bauen e. V.“ (www.zweiseitendergeschichte.de) ein ehrendes Andenken bewahren.
Der Vorstand:
Dr. Heinrich Pingel, Dr. Hajo Billmann, Birgit Rausch und Jannis Schröder
Als Freunde, Kollegen und Weggefährten von Prof. Wilma Iggers schließen wir uns an:
Prof. i.R. Dr. Klaus J. Bade und Dr. Susanne C. Meyer, Berlin
Prof. Dr. Katerina Capkova, Prag
Prof. Dr. Mario Keßler, Berlin
Prof. i.R. Dr. Jürgen und Dr. Urte Kocka, Berlin
Dr. Rita Kuczynski, Berlin
Prof. Dr. Monika Richarz, Berlin
Prof. Dr. Hanns und Sabine Seidler, Darmstadt
Peter Th. Walther, PhD, Berlin
Herford, Berlin, Darmstadt, Prag, 6. März 2025
„Von Wilma Iggers zu lesen – und zu sehen, wie reich ihr Leben war, obwohl sie 1938 vor den Nazis fliehen musste: Als Studentin in den USA schrieb sie über Karl Kraus, als Professorin über jüdisches Leben in Böhmen – und an dieser Stelle über den Geschmack von Leberwürsten und Chanukka-Gebäck. Nun ist Wilma Iggers kurz vor ihrem 104. Geburtstag in Amherst, N. Y., USA, gestorben. Und wir, die wir sie aus dem Göttinger Historikerinnennetzwerk kennen, sind sehr traurig, denn ihre Neugier auf die Welt hätte sie sicher auch noch durch die nächsten hundert Jahre getragen.
Frauke Geyken, Ingrid Laurien, Göttingen"
Quelle: DIE ZEIT, Nr. 11 (13. März 2025), S. 60