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Wilma Iggers wird als erste Tochter des jüdischen Gutsbesitzers Abeles im Jahre 1921 in einem kleinen Dorf in Böhmen in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Im Jahre 1933 wechselt sie von der deutschen Schule in Bischofteinitz, dem heutigen Horsovsky Tyn, an das tschechische Gymnasium in Domazlice. Wilma Abeles flüchtet mit einer großen Gruppe von Verwandten kurz nach dem Münchener Abkommen und wenige Tage vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Böhmen in das Innere der Tschechoslowakei. Von da emigrieren sie nach Hamilton in Kanada. Wilma Abeles studiert an einem kleinen College in der Provinz Ontario die Fächer Germanistik und Romanistik.

Georg Iggersheimer wird als Sohn eines jüdischen Kaufmanns im Jahre 1926 in Hamburg geboren. Er wird dort im April 1933, kurz nach dem Beginn der Hitlerdiktatur, in der Knabenschule Knauerstraße eingeschult. Sehr früh entwickelt er ein starkes Interesse an der jüdischen Kultur und Religion. Weil es zu Konflikten mit den Eltern kommt, verbringt er 1937/1938 ein knappes Jahr in einem jüdischen Kinderheim in Esslingen. Im Oktober 1938, wenige Wochen vor der Reichspogromnacht, emmigriert die Familie Iggersheimer über England nach Richmond in die USA. Dort nimmt Georg, wie seine Eltern und seine Schwester, den Nachnamen Iggers an und besucht zunächst die Highschool. Aber schon als Fünfzehnjähriger geht er in die dortige Universität. Er ist konfrontiert mit der Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung und bildet mit schwarzen Kommilitonen eine Studentengruppe, die sich gegen die Rassentrennung ausspricht.

Wilma Abeles und Georg Iggers lernen sich an der Universität Chicago nach dem zweiten Weltkrieg kennen, wo sie Germanistik bzw. Geschichte studieren und später dann promovieren. Im Jahre 1949 heiraten sie und bekommen in den nächsten Jahren drei Kinder: Jeremy, Daniel und Jonathan. Ein Jahr später entscheiden sie sich für eine Dozentenstelle an einem kleinen schwarzen College in Little Rock im Staat Arkansas. In den nächsten Jahren führen sie wissenschaftliche Untersuchungen über die Situation an schwarzen Highschools durch, die vor Gericht als wichtige Begründung für die Einschulung der ersten schwarzen Schülerin an einer weißen Highschool im Jahr 1957 vorgebracht werden. Nach weiteren Jahren des Engagements als einige der wenigen weißen in der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung kehren sie 1961 mit ihren Kindern zum ersten Mal für eine längere Zeit nach Deutschland zurück, wo sie in Göttingen wissenschaftlich arbeiten. Ab 1965 finden Wilma und Georg Iggers Professorenstellen in Germanistik und Geschichte in Buffalo im Staat New York. Ein Jahr später kehrt Wilma Iggers in die Tschechoslowakei zurück, in ihren Heimatort, das heutige Horsovsky Tyn, und sucht nach den Resten der eigenen Kindheit. Sie knüpft Kontakte zu vielen Menschen, die am Schicksal der jüdischen Minderheit interessiert sind.

Als international anerkannte Wissenschaftler schlagen sie ab den 70er Jahren Brücken, nicht nur in die Bundesrepublik und die damalige DDR, sondern auch nach Asien. So gehören sie zu den ersten US-Amerikanern die 1984 einen längeren Auslandsaufenthalt in der Volksrepublik China verbringen.

Nach der Wiedervereinigung nehmen sie die Deutsche Staatsbürgerschaft an und verbringen jeweils eine Jahreshälfte in Göttingen und eine in Buffalo. Wilma und Georg Iggers engagieren sich als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler in Deutschland, in Tschechien, in Europa und der ganzen Welt - und werden dafür anerkannt. Bei zahlreichen Vorträgen und Gesprächen mit Jugendlichen, vor allem in Deutschland, aber auch in Tschechien und in den USA, berichten sie von ihrer Kindheit und Jugendzeit sowie von der Flucht aus Nazi-Deutschland bzw. vor der einmarschierenden Hitler-Wehrmacht. Als Zeitzeugen machen sie für die heutigen Generationen die Geschichte des Holocaust erlebbar. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Ihr außergewöhnliches Leben spiegelt ein Jahrhundert wieder, in dem versucht wurde, aus ideologischem Wahn eine Kultur zu zerstören. Im hohen Alter erfahren sie die Wertschätzung für ihr Lebenswerk als Brückenbauer zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Ost und West, zwischen Deutschen und Tschechen, zwischen Juden und Christen. Wilma Iggers erhält aus den Händen des tschechischen Außenministers im Jahr 2004 in Prag den Masaryk-Preis.