Klaus J. Bade: Bewunderung angesichts des Lebenslaufs von Georg und Wilma Iggers

Interview mit Prof. Klaus J. Bade, Osnabrück 2006

Siehe auch: Bade, Klaus

„Das ist eigentlich eine ganz amüsante Geschichte, denn über Georg Iggers habe ich als Student und als Hilfskraft schon viel erfahren, und zwar Kämpferisches zunächst erfahren, denn ich war damals Hilfskraft bei Walter Peter Fuchs und der war ein Ranke-Editor, der gab also Ranke-Briefe heraus und konnte sich also köstlich darüber aufregen, dass Georg Iggers wieder irgendetwas übersehen hatte, denn Walter Peter Fuchs, mein alter Lehrer damals in Erlangen war ein in der Wolle gefärbter Historist im Grunde genommen und wehrte sich also gegen den kritischen Zugriff dieses Amerikaners, der nun auf diesen Ranke ausgriff.

Und dann habe ich mir also diesen Amerikaner näher angesehen und war also zunehmend von ihm fasziniert und habe dann irgendwann angefangen, ihm mal zu schreiben, wie viele andere auch, und Kontakt zu ihm gesucht. Wir haben dann ihn zusammen mit Wilma kennen gelernt, mal hier, mal in den Vereinigten Staaten, und was mich fasziniert hat an der Sache, war nicht nur, dass es nun beides ausgesprochen markante Wissenschaftler-Persönlichkeiten sind, hier auf dem geschichtswissenschaftlichen, da auf dem literaturwissenschaftlichen Bereich, sondern die Frage, wie beide als Juden, die beide in ihrer Jugend entscheidend geprägt und belastet worden sind vom Nationalsozialismus, sich dann auf der anderen Seite des Atlantiks gefunden haben mit ihrer Erinnerung an den Weg, den sie dann hinterher gemeinsam im Leben gegangen sind und an die Folgen für ihre eigene Biografie, Auseinandersetzung mit der Bürgerrechtsbewegung und dergleichen mehr.

Wie das ausgesehen hat, und dazu haben wir damals dann diesen Gedanken entwickelt, wir könnten die beiden doch mal bitten, über ihre Jugend im nationalsozialistisch geprägten Deutschland und Europa zu berichten, und noch während sie sprachen, entstand in unserem Kopf der Gedanke, das, was die jetzt erzählen, müssten die eigentlich mal lebensgeschichtlich aufarbeiten.

Wir haben dann versucht, die beiden in eine Falle zu locken, und haben gesagt, möchtet ihr das denn nicht einmal machen, worauf die beiden gesagt haben, da haben wir sehr viel zu tun, wir haben zwar über sowas nachgedacht, aber das glauben wir jetzt nicht, dass das möglich ist. Dann haben wir angefangen, einfach die Texte zu überarbeiten und haben sie hingeschickt und haben gesagt, wir wollen die gerne veröffentlichen, habt ihr auch Bilder dazu?

Dann waren sie von dem, was dabei herausgekommen war, was nichts Anderes war als das, was sie selbst gesagt hatten, ein paar Satzzeichen geändert. (Sie waren) doch selber so beeindruckt, dass sie sagten, vielleicht ist das ein Weg, mit dem wir anfangen könnten, und dann kam nach einiger Zeit die Bitte, könnt ihr uns noch, was weiß ich, 50 oder 100 Exemplare schicken, Freunde haben auch Interesse daran, und das war so ein Weg, den wir ein bisschen nur angestoßen hatten, wo soviel Selbstmotivation, auch kritische Selbstdistanz dabei war, und Freude, sich selbst aus kritischer Perspektive nachzuvollziehen, dass das dann hinterher dieses wunderbare Buch ergeben hat, das uns allen so viel nützt und das für unsere Zusammenhänge, die wir Migration, interkulturelle Perspektiven und Geschichte miteinander zu vereinbaren suchen, so interessant und so wichtig geworden ist.“